Training, Walchensee 2026

Training, Walchensee 2026

Training

Nachdem mein Musto bereits seit einigen Wochen am Walchensee, aka. Lago di Uniper, Speichersee, Bayerische Karibik oder Bayerisch Kanada zu Gast war, fuhr ich am Donnerstag bestens gelaunt vom Nachbarsee aus los.

Im Schlepptau: mein rostiger Passat mit mittlerweile zweimonatiger TÜV-Überziehung und ein überdimensionierter Planenhänger, der gleichzeitig als mobiles Hotelzimmer dient.

Dort angekommen traf ich direkt auf Tim. Ein hochmotivierter angehender Musto-Segler, der sich nach einer kurzen Probefahrt auf meinem Boot direkt selbst eins zugelegt hat. Frei nach dem Motto „Musto- für alle die kein Statussymbol brauchen“ kam er mit dem Musto auf dem Dachträger seines Autos über Nacht angereist.

Nachdem ich den schwarzen Maibaum meines Mustos gestellt hatte und festgestellt habe, dass bis auf 2, 3 für die Regatta gemeldete Mustos bereits alle zum Training erschienen sind, hatte ich noch mehr Bock direkt aufs Wasser zu gehen.

Susanne hat sich bereit erklärt das Training mit Rat und Tat zu begleiten- eine bessere und motiviertere Trainerin würde es wohl nicht geben, hat sie doch einiges an hochkarätiger internationaler Regattaerfahrung von der alle profitieren können. (… Und außerdem ist sie auch sau lustig 😊) Segeltechnisch verbrachten wir die Trainings mit Entenfamilie, Startübungen, Up-and-Down, Wenden auf Kommando und, und, und. Die Zeit verging wie im Flug… äh Gleiten…

Abends gabs noch eine Gymnastikübung. Da hab ich aber leider mit machen können, weil mich David (Der unangefochtene Gott des genüsslichen Reisauflaufs) zum Zwiebelschälen verdonnert hatte. Tränen gerührt musste ich daher Gymnastikübung aus sicherer Entfernung beobachten.

Bootstaufe

Ein persönliches Highlight war die Bootstaufe meines Mustos:

Groß angekündigt sollte unter Beisein aller Anwesenden mein Boot endlich einen Namen bekommen. Da es sich um ein original bayerisches Musto handelt, musste der Champagner natürlich einem sakrisch guadn Enzian weichen. Diesen hatte ich am Alpsee gewonnen. Den Schriftzug hatte ich bereits im Vorfeld sorgfältig aufgeklebt und mit Klebeband verdeckt. Nach ein paar einleitenden Worten zur Herkunft des Bootes und zur Geschichte des Namens kam der große Moment. Mit feierlicher Geste zog ich das Klebeband ab.

Rhosgobel!

Ein großartiger Name, wie ich finde. Er erinnert an die flinken Kanninchen aus Tolkiens Welt, irgendwo zwischen Der Hobbit, Herr der Ringe und meiner eigenen Fantasie.


Allerdings hatte ich einen kleinen Denkfehler gemacht. Nicht jeder ist mit Mittelerde vertraut. Gilbert blickte auf den Schriftzug und fragte: „Was ist denn eine Rossgabel? Naja egal, der Name stößt wohl auf Fragezeichen. Aprops anstoßen: Jeder bekam noch einen Schluck des sakrisch guadn Enzians vom Allgäuer Alpsee und anschließend gings in die gemütliche Abendrunde mit bestem Essen und Gesellschaft.


Regatta

Atemberaubende Stimmung bei der Regatta, jedoch leider kein Segeln möglich

Wohlgenährt, ausgeschlafen und top gelaunt watschelte ich von meinem mobilen Hotelzimmer in Richtung Yachtclubgelände. Der Wetterbericht hatte es nicht gut mit uns gemeint. Frei nach dem Motto: „Der hod doch eh koa Ahnung. Des hoda beim Training a scho oiwei gsagt, dass’s regngt“, wurden wir rausgeschickt, um sechs Wettfahrten zu absolvieren.

Das Auslaufen lief prima. Alle halfen mit. Gilbert organisierte noch Klebeband und Edding, sodass jeder Musto Segler seinen Trolley beschriften konnte. Es war sogar ein kleines Lüftchen zu verspüren, sodass man ohne Einsatz aufwendiger eigener Pumptechniken zum Startschiff gelang.

Die Mustos starteten als Erste, weil alle bereits vor Ort waren. Ich erwischte für meine Verhältnisse einen nicht ganz schlechten Start. Zumindest dachte ich das bis zu dem Zeitpunkt, als ich Alex auf einmal anschleichen bemerkte und feststellen musste, dass er sich aus dem Nichts über mich gelegt hatte, mehr tte, mehr Speed und auch mehr Höhe fuhr. Das hatte mich ordentlich zurückversetzt und so wurde ich hinten wieder ausgespuckt. Von wegen neutrale Schweiz, dachte ich mir, und fuhr dann irgendwann auch los. :)

Irgendwie war ich dann an der Luvtonne angekommen. Der Wind wurde bis dahin auch deutlich weniger, beziehungsweise ließ er ganz aus, und man bemerkte mit nach Westen gerichteten Blicken: Da kommt was auf uns zu. Irgendwann wurde die Wettfahrt dann auch abgebrochen. Ich stand da so herum und alberte ein wenig mit meinem Lieblings Bautzner, Steffen Baumeister. Irgendwie herrschte nicht allgemeiner Konsens darüber, dass die Wettfahrt abgebrochen worden war. Die einen segelten weiter und die anderen auch. Allerdings in den Hafen.

Ich fuhr dann mit dem Gennaker Richtung Hafen auf dem Regatta Downwind Kurs. Irgendwann drehte der Wind und ich kreuzte ein wenig Richtung Hafen. Dann kamen mir Alex und, ich glaube, Eddie mit Gennaker auf Upwindkurs entgegen. Mittlerweile regnete es.

Was ich hier mache und ob die Regatta abgebrochen sei, wollten sie wissen. Sie fuhren gerade, glaube ich, Platz 1 und 2 oder Platz 2 und 3 aus. Ganz sicher war ich mir dann auch nicht mehr, ob die Wettfahrt tatsächlich abgebrochen war, und machte mir Gedanken:

„Stell dir vor, Pauli“, dachte ich mir, „was die mit dir machen, wenn du denen sagst, dass die Wettfahrt abgebrochen ist, sie umkehren, obwohl sie gar nicht abgebrochen wurde, und du ihnen damit Platz 1 und 2 beziehungsweise Platz 2 und 3 vermasselst?“

Außerdem dachte ich mir: „Das sind doch hier die Profis und kennen die Flaggen und Signale. Ist die Wettfahrt vielleicht doch nicht abgebrochen? Pauli, jetzt wäre es vielleicht doch mal an der Zeit, sich die Flaggen und Signale einzuprägen …“

Unsicher und in Gedanken versunken fuhr ich ohne Kommentar an ihnen vorbei und schaute einfach nur blöd.

Die Stimmung war mittlerweile irre. Es regnete stärker. Das Wasser färbte sich so ausgeprägt türkis, dass nun wirklich jeder verstand, warum der Walchensee auch Bayerische Karibik genannt wird. Die Tropfen polterten aufs Boot und ins umliegende Wasser. Ich war eher am Nordwestufer, als dass die Umrisse der Segel des schwimmenden Mottenfeldes südlich von mir noch zu erkennen waren. Insgesamt ein wirklich stimmungsvolles und einmaliges Erlebnis.

Am zweiten Tag gelobten der Wetterbote und Gott keine Besserung. Im Gegensatz zum ersten Tag fuhren wir gar nicht erst raus, sondern direkt nach Hause. :)

Trotzdem war es insgesamt ein Hammer Wochenende inklusive Training und meiner persönlichen Segelstunde am Montag und Dienstag nach der Regatta mit Gilbert. Bei 8 bis 9 Greil (für alle, die die Greilsche Windskala nicht kennen: 7 bis 8 Greil entsprechen etwa 13 bis 15 kn) zeigte er mir, wie man gleichzeitig Höhe und Speed fährt. Ich hatte am Wind keine Chance. “Hier bei diesen Bedingungen muss der Bock laufen. Bei weniger Wind gehen wir gar nicht segeln“, bemängelte er völlig zurecht den Trimm meines Rhosgobels, bzw. meine persönlichen Segelskills. Insgesamt war ich damit an 4 von 6 Tagen unter besten Bedingungen segeln was mir wieder bestätigte, dass es immer Sinn macht vor und nach der Regatta noch ein paar Segeltage einzuplanen. Und ich bleib dabei: Der Walchensee ist Deutschlands bester Musto-Segelsee. Hammer und vielen Dank an alle Organisatoren, Helfer und angereiste Segler. Es war wieder ein super gelungenes langes Wochenende. Bis nächstes Jahr.~

Anian, GER40